Die Geschichte unserer Kirche - von gestern bis heute

Die Geschichte der Gustav-Adolf-Kirche (Kurzfassung) 

Eine längere Fassung finden sie hier und ein ausführliches PDF zum Download hier

Die Geschichte der Gustav-Adolf-Kirche beginnt mit dem starken Wachstum im Norden Charlottenburgs. 1915 wurde der Gemeindebezirk Luisen II (Nord) selbstständig, seit 1920 trägt die Gemeinde den Namen Gustav-Adolf-Gemeinde. Fast 20 Jahre lang musste die Gemeinde jedoch auf eine eigene Kirche warten. Gottesdienste fanden zunächst in der Wiebeschule, in Wohnungen und Gaststätten statt.

Nach mehreren Anläufen wurde Ende der 1920er-Jahre ein geeigneter Bauplatz an der Ecke Herschel- und Brahestraße gefunden. Mit dem Entwurf wurde letztendlich der damals bereits bekannte Kirchenbaumeister Otto Bartning beauftragt. Er entwickelte eine außergewöhnliche Kirche, deren Grundriss sich fächerförmig vom Turm aus entfaltet. Der Kirchenraum sollte die Gemeinde räumlich um Altar und Kanzel versammeln und zugleich einen markanten städtebaulichen Akzent setzen.

Am 6. November 1932 wurde der Grundstein gelegt. Nach zweijähriger Bauzeit konnte die Kirche am 16. September 1934 eingeweiht werden. Mit rund 1.150 Plätzen war sie für eine große Gemeinde konzipiert. Der moderne Bau fand auch über die Gemeinde hinaus große Beachtung. Besonders die ungewöhnliche Architektur, die Verwendung natürlicher Materialien und die gute Akustik wurden hervorgehoben. 1937 war die Gustav-Adolf-Kirche einer der zentralen Veranstaltungsorte des „Festes der Evangelischen Kirchenmusik“.

Die ersten Jahre der Kirche waren zugleich von der nationalsozialistischen Zeit geprägt. Die Einweihung 1934 wurde unter maßgeblicher Beteiligung der „Deutschen Christen“ und der nationalsozialistischen Parteiorganisationen gefeiert. Der Krieg hinterließ tiefe Spuren: 1943 wurde die Kirche durch Bomben schwer beschädigt und unbenutzbar, 1945 brannte auch das Gemeindehaus aus.

Doch die Gemeinde gab ihre Kirche nicht auf. Bereits nach dem Krieg begann sie, Geld für den Wiederaufbau zu sammeln. Unter der Leitung Otto Bartnings wurde die Kirche 1949 bis 1951 zunächst vereinfacht wiederaufgebaut und am 7. Juli 1951 wieder in Dienst genommen. Ab 1959 erfolgte eine weitere, weitgehend originalgetreue Rekonstruktion. Die erneuerte Kirche wurde am 15. April 1962 erneut eingeweiht. Seit 1958 steht sie unter Denkmalschutz.

Auch die Ausstattung entwickelte sich weiter. 1972 wurde die bis heute prägende Kleuker-Orgel eingeweiht. In den folgenden Jahrzehnten wurde die Kirche immer wieder behutsam instandgesetzt und weiterentwickelt.

Heute ist die Gustav-Adolf-Kirche weit mehr als ein bedeutendes Beispiel des modernen Kirchenbaus. Sie ist Gottesdienstraum, Konzert- und Veranstaltungsort und Mittelpunkt einer lebendigen Gemeinde. Ihre besondere Architektur schafft einen Raum für Stille und Andacht ebenso wie für Musik, Feste, Begegnung und gemeinsames Feiern. So ist sie seit mehr als 90 Jahren ein prägender Ort im Kiez – und verbindet Geschichte und Gegenwart auf besondere Weise.

Die Orgel

Die Kleuker-Orgel von 1971/72 in der Gustav-Adolf-Kirche zu Charlottenburg
von Carl Haenisch

Der westfälische Orgelbauer Detlef Kleuker, dessen Firma in Brackwede inzwischen erloschen ist, hat mit der dreimanualigen Orgel der Gustav-Adolf-Kirche ein Instrument im neobarocken Stil gebaut, das 41 klingende Register und neben den üblichen Spielhilfen, den Manual- und Pedal-Koppeln und den Tremulanten auch vier Setzer-Kombinationen hat, die die Registrierung von Orgelwerken durch den Organisten vorzuwählen gestattet.

Wie jede gut gepflegte Orgel ist diese Kleuker-Orgel auf Beschluss des Gemeindekirchenrates im Jahre 1993, also nach etwas mehr als 20 Jahren seit ihrer Erbauung, gründlich gewartet, überholt, vollkommen gereinigt und bezüglich ihrer schadhaften Teile repariert worden. Zusätzlich wurde damals eine umfangreiche Neu-Intonation vorgenommen, die die ursprüngliche Konzeption des Instruments verließ, kammermusikalisch die Werke Bachs und Musik des 20. Jahrhunderts (z. B. Messiaen, Distler, Reda, Bornefeld) musizieren zu können. Der Zeitgeschmack wandte sich wieder verstärkt auch der Orgelliteratur des 19. Jahrhunderts und der Musik der Französischen Orgelromantik (z. B. Franck, Widor, Boëllmann, Guillmant) zu, die von kräftigen Klängen mit viel charakteristischen Zungenregistern lebten, wie sie die französischen Orgeln Cavallé Colls bieten.

So entstand 1993 durch diese Neuintonation bei absolut gleicher Registerbezeichnung und beibehaltenem Pfeifenmaterial allein durch Erhöhung des Winddruckes (bis zum Doppelten des von Kleuker gewählten!), durch Veränderung der Aufschnitte der Labialpfeifen und stärkere Öffnung der Resonatoren der Lingualpfeifen ein bemerkenswert kräftiges Klangbild, das besonders diejenigen in der Gemeinde verblüffte, die den subtilen, distinguierten Klang der Kleuker-Orgel bis dahin gewöhnt waren und lieb gewonnen hatten. So nimmt es nicht wunder, dass bei der nunmehr nach weiteren 15 Jahren fälligen Wartung und notwendigen Reinigung der Orgel die Erwartung an den ausführenden Orgelbauer bestand, den Klang wieder etwas an das Original heranzuführen, dessen Klang aber auf Grund der bei der Neuintonation vorgenommenen Eingriffe an den Labien leider nicht authentisch wieder ganz hergestellt werden kann.

Im Zuge der im Dezember 2008 vollendeten Reparaturarbeiten durch die Firma Mitteldeutscher Orgelbau A. Voigt GmbH, Bad Liebenwerda, wurde u. a. der Winddruck zum Teil wieder erheblich reduziert, das gesamte Pfeifenmaterial überarbeitet, jeder Ton eines jeden Registers neu intoniert und zur Verbesserung der Stimmbarkeit und Stimmhaltigkeit konstruktiv im Bereich der Stimmrollen bzw. -krücken sowie teilweise im Labialbereich berichtigt, ohne die vorhandene wertvolle Substanz zu verändern.

Das Ergebnis dieser Reparaturarbeiten legt die Gemeinde nun allen Zuhörern und Liebhabern des Orgelklangs vor mit der freundlichen Bitte um aufmerksames Hören und sensibles Wahrnehmen des Wesens dieser wunderbaren Orgel von Detlef Kleuker und der darauf musizierten Orgelstücke.