Die Geschichte unserer Kirche und Gemeinde - von gestern bis heute
Die Trinitatiskirche am Karl-August-Platz ist weit mehr als ein Ort für Gottesdienste. Seit ihrer Einweihung im Jahr 1898 hat sie Geschichte erlebt, wurde im Zweiten Weltkrieg schwer zerstört und anschließend wiederaufgebaut. Bis heute erzählen ihre Architektur, Kunstwerke, Kirchenfenster, Orgel und Glocken von dieser wechselvollen Geschichte.
Die Geschichte der Trinitatiskirche
Von den Anfängen im rasant wachsenden Charlottenburg des späten 19. Jahrhunderts über die Zerstörung im Zweiten Weltkrieg bis zum Wiederaufbau und zur Kirche von heute: Die Geschichte der Trinitatiskirche spiegelt mehr als 125 Jahre Berliner Stadt- und Gemeindegeschichte wider. Entdecken Sie die wichtigsten Stationen von der Grundsteinlegung bis heute. Klick
Architektur und Innenraum
Schon von außen beeindruckt die Trinitatiskirche durch ihre besondere Gestalt. Im Inneren eröffnet sich der großzügige Zentralbau mit seinem weiten Gottesdienstraum. Erfahren Sie, welche Idee hinter der Architektur steckt, wie die Kirche ursprünglich aussah und wie sich ihr Innenraum im Laufe der Jahrzehnte verändert hat. Klick
Kunstwerke von Otto Flath
Das große Kruzifix im Altarraum prägt den heutigen Innenraum der Trinitatiskirche. Doch Otto Flath schuf noch weitere Werke für die Kirche: die „Trauernde“ und den Taufstein. Die drei Kunstwerke erzählen auf unterschiedliche Weise von Christus, Leid, Trost und Hoffnung. Klick
Die Kirchenfenster
Licht und Farbe prägen den Innenraum der Trinitatiskirche. Die zwischen 1962 und 1970 entstandenen Fenster stammen von mehreren Künstlern und bilden ein eindrucksvolles Zusammenspiel unterschiedlicher Bildwelten. Besonders die zwanzig Fenster von Fritz Ebeling erzählen einen zusammenhängenden Zyklus über die heile und unheile Welt. Klick
Die Walcker-Orgel
Mit ihren zahlreichen Registern und mehr als 2.600 Pfeifen gehört die Walcker-Orgel zu den besonderen Schätzen der Trinitatiskirche. Seit ihrer Einweihung 1962 hat sie mehrere Veränderungen und eine umfassende Restaurierung erlebt. Erfahren Sie mehr über ihre Geschichte, ihre außergewöhnliche Klangvielfalt und die Technik hinter dem Instrument. Klick
Die Glocken
Drei Glocken begleiten das Leben der Gemeinde und rufen bis heute zu Gottesdienst und Gebet. Ihre Geschichte reicht bis in die 1920er-Jahre zurück. Nach einer längeren Pause läuten sie seit Ostern 2023 wieder. Auch hinter dem Geläut verbirgt sich ein Stück bewegter Kirchengeschichte. Klick
Trinitatiskirche um 1907. Mit Genehmigung: Stiftung Stadtmuseum Berlin
Die Geschichte der Trinitatiskirche
Entstehung der Kirche
Ende des 19. Jahrhunderts wuchs Charlottenburg rasant. Rund um den heutigen Stuttgarter Platz und die Kantstraße entstanden neue Wohnviertel, und die Zahl der Gemeindemitglieder der Charlottenburger Luisengemeinde nahm stark zu. Die Luisenkirche, die älteste Charlottenburger Kirche, konnte das inzwischen sehr große Gemeindegebiet nicht mehr allein seelsorgerlich versorgen.
1895 beschloss die Luisengemeinde deshalb, Teile ihres Gemeindegebiets auszugliedern und dort eine Filialgemeinde aufzubauen. Zugleich wurde der Bau einer eigenen Kirche vorangetrieben. Als Standort wurde der damals neu entstandene Karl-August-Platz gewählt.
Die Trinitatiskirche entstand damit im Zusammenhang mit dem starken Bevölkerungswachstum und der baulichen Entwicklung Charlottenburgs am Ende des 19. Jahrhunderts. 1896 begann der Bau nach den Plänen der Architekten Johannes Vollmer und Heinrich Jassoy. Die Grundsteinlegung fand am 18. Oktober 1896 statt.
Am 11. Dezember 1898 wurde die Trinitatiskirche eingeweiht. Bereits 1899 konstituierte sich die Trinitatisgemeinde als eigenständige Kirchengemeinde.
Außenansicht Süd-Ost aus 1898
Architektur
Die Trinitatiskirche wurde von Johannes Vollmer, der damals Professor an der Technischen Hochschule Charlottenburg war, gemeinsam mit dem Architekten Heinrich Jassoy entworfen. Vollmer stand bei seiner Sakralarchitektur in der Tradition des Eisenacher Regulativs, das den evangelischen Kirchenbau im 19. Jahrhundert maßgeblich prägte. Die Architekten schufen mit der Trinitatiskirche eine protestantische Predigtkirche. Der Kirchenbau ist als Zentralbau über einem kreuzförmigen Grundriss angelegt. Der weite, zentrale Gottesdienstraum rückt die Gemeinde und die Verkündigung in den Mittelpunkt.
Der Innenraum ist als großzügiger, saalartiger Raum gestaltet und bot ursprünglich Platz für rund 1.200 Besucher. Große Fenster sorgen für eine helle Atmosphäre. Von außen ist die besondere Zentralbauform nicht unmittelbar zu erkennen; im Inneren wird sie jedoch deutlich erfahrbar. Die Trinitatiskirche gehört zu den bedeutenden evangelischen Kirchenbauten ihrer Entstehungszeit in Berlin und steht heute unter Denkmalschutz.
Außenansicht Süd-West aus 1898
Veränderungen vor dem Zweiten Weltkrieg
Das Innere der Trinitatiskirche wurde bereits in den ersten Jahrzehnten mehrfach verändert. Die ursprüngliche Ausmalung orientierte sich unter anderem an byzantinischen Vorbildern. In der Weimarer Republik wurden die Wandmalereien durch eine neue Gestaltung mit floralen Motiven und Darstellungen des Lebensbaums ersetzt. Auch die Ausstattung der Kirche wurde verändert. Eine Christusstatue aus Marmor, die der Berliner Bildhauer Emil Cauer geschaffen hatte, wurde im Altarbereich aufgestellt. Sie hat ihr Vorbild in den Großplastiken des dänischen Bildhauers Bertel Thorvaldsen.
Nach dem Zweiten Weltkrieg stand die Christusstatue zunächst im rechten Turmraum. Seit 2015 befindet sie sich im Vorraum der Kirche und kann dort wieder besichtigt werden.
Zerstörung und Wiederaufbau
Zwischen 1943 und 1945 wurde die Trinitatiskirche durch mehrere Bombenangriffe schwer beschädigt. Im Verlauf des Zweiten Weltkriegs wurde die Kirche schließlich bis auf die Außenmauern und den weitgehend erhaltenen Turm zerstört. Unmittelbar nach dem Krieg begann die Gemeinde gemeinsam mit dem Berliner Konsistorium, den Wiederaufbau der Kirche voranzutreiben und dafür die notwendigen Mittel einzuwerben. Beim Wiederaufbau wurde das äußere Erscheinungsbild der Kirche weitgehend erhalten. Im Inneren kam es dagegen zu erheblichen Veränderungen. Die ursprünglichen Wandmalereien wurden nicht wiederhergestellt. Der Innenraum wurde entsprechend dem Stil der Nachkriegszeit schlicht gestaltet.
Die Kanzel wurde an die rechte Wandseite verlegt. Im Apsisbereich war zunächst ein schlichtes Holzkreuz der einzige Schmuck. Auch auf die Emporen wurde zunächst verzichtet; sie wurden 1959 wieder eingebaut.
Am 8. März 1953 wurde die wiederaufgebaute Trinitatiskirche wieder in Dienst genommen.
Trinitatiskirche Altarraum bis 1997
Kirchenfenster "Die Hochzeit"
100 Jahre Trinitatiskirche
Aus Anlass des 100-jährigen Jubiläums der Trinitatiskirche wurde das Kircheninnere umfassend renoviert. Die Emporenbrüstung wurde unter Aufnahme des historischen Vorbildes rekonstruiert. Der Fußboden wurde mit Steinplatten versehen. Der Altar wurde aus der Apsis in das Kirchenschiff versetzt, um einen besseren Kontakt zwischen Prediger, Liturg und Gemeinde zu ermöglichen. An die Stelle der früheren Kanzel trat ein Predigtpult. Altar und Predigtpult wurden 2011 von dem Berliner Tischlermeister Oliver Hannemann in Anlehnung an die früheren Ausstattungsstücke neu gestaltet.
Heute stehen Altar, Taufstein und Predigtpult wieder in der Apsis.
Die Trinitatiskirche heute
Mehr als 125 Jahre nach ihrer Einweihung ist die Trinitatiskirche weiterhin der zentrale Gottesdienstort der Trinitatis-Kirchengemeinde.
Der historische Kirchenbau, die Kunstwerke von Otto Flath, die Kirchenfenster von Alexander Bader, Peter Berndt, Hermann Kirchberger und Fritz Ebeling, die Walcker-Orgel und die Glocken erzählen von den unterschiedlichen Epochen der Geschichte der Kirche. Heute ist die Trinitatiskirche nicht nur ein Ort für Gottesdienste und Andachten, sondern auch für Kirchenmusik, Konzerte und weitere Veranstaltungen. So verbindet sie ihre über 125-jährige Geschichte mit dem lebendigen Gemeindeleben der Gegenwart.
Die Chronologie in der Zusammenfassung
1898 Einweihung der Trinitatiskirche
1899 Bildung der selbständigen Trinitatisgemeinde
1917 Hinter dem Altar wird eine überlebensgroße Christusstatue des Bildhauers Emil Cauer aufgestellt. (Marmorplastik im klassizistischen Stil)
1928 Die Aufstellung führt zu einer großen Umgestaltung des Altarraumes. Seine überreiche Vielfalt in Bemalung und Architektur wird zugunsten einer zurückhaltenden, an den architektonischen Grundformen orientierten Gestaltung verändert, der Altarraum dadurch als eigenständiger Bereich abgesetzt.
1943 - 1945 Zunehmend schwere Beschädigung der Kirche durch Bomben. Bei der Eroberung Berlins schließlich Zerstörung bis auf Außenmauern und Turm.
1953 Wiedereinweihung der von 1951 an wiederaufgebauten Kirche.
Äußeres: Gegenüber dem ursprünglichen Zustand kaum Veränderungen, lediglich der Dachreiter der Vierung fehlt.
Inneres: Völliger Neuaufbau der alten Raumstruktur in schlichter, sparsamer Ausführung, weißer Anstrich. Verlegung der Kanzel auf die rechte Schrägwand. Hinter dem Altar jetzt ein einfaches Holzkreuz. Wiederherstellung der Emporen erst 1959.
1962 Einbau der neuen Orgel. Im Zuge der Anschaffung des jetzigen Altarkreuzes, einem Werk des Künstlers Otto Flath, wird der Altarraum und die Ostfront umgestaltet: Um die Wirkung des Kreuzes nicht durch die große Rosette zu beeinträchtigen, wird diese um 75% verkleinert. Die beiden, die Rosette flankierenden Emporenrundfenster werden verblendet, die beiden Spitzbogenfenster hinter dem Altar bis zum Boden heruntergezogen.
1962 - 1970 Neuverglasung der Fenster
1998 Renovierung des Kircheninnenraumes anlässlich des 100jährigen Jubiläums. Die Emporenbrüstung wird in Anlehnung an das historische Vorbild neu gestaltet, der Fußboden mit Steinplatten belegt, der Altar aus dem Altarraum in das Kirchenschiff vorgezogen. Statt der Kanzel gibt es ein Predigtpult.
2001 Die Zeiger der Kirchturmuhr wurden nach der Restaurierung wieder angebracht.
2005 Der Kirchturm wird neu gedeckt.
2014 Der Altar kommt wieder an seinen ursprünglichen Platz iin der Apsis, aber nicht direkt unter das Kreuz.
Auch der Taufstein und das Predigtpult stehen wieder dort.
2014 Die Christusstatue steht wieder im Vorraum der Kirche.
2016 Generalüberholung der Orgel
2017 Das Kirchendach wird neu gedeckt.
2018 Das Turmkreuz muss abgenommen werden und wird restauriert.
2019 Das Turmkreuz wird wieder aufgesetzt und die Zeitkapsel neu befüllt
2022 Umstellung vom mechanmischen Uhrwerk auf eine digitale Steuerung
2023: Nach 1,5 Jahren und Austausch der Joche werden die Glocken wieder in Betrieb genommen
Die Trauernde
Altarraum heute
Bildwerke von Otto Flath
Ein besonders prägendes Kunstwerk der Nachkriegszeit ist das große Kruzifix des Bildhauers Otto Flath. Das Werk entstand 1961 und wurde 1962 in der Trinitatiskirche aufgestellt.
Das Kruzifix ist 5,20 Meter hoch und 3,40 Meter breit. An den vier Enden des Kreuzes befinden sich die Symbole der vier Evangelisten: der Engel für Matthäus, der Löwe für Markus, der Stier für Lukas und der Adler für Johannes.
Das Kreuz zeigt das zentrale Thema der reformatorischen Verkündigung: Christus. Durch seine Größe bildet es bis heute den Mittelpunkt des Altarraums.
Um die Wirkung des großen Kreuzes nicht durch die vorhandene Rosette zu beeinträchtigen, wurde die große Rosette 1962 um etwa 75 Prozent verkleinert. Die beiden die Rosette flankierenden Rundfenster wurden verblendet, während die beiden Spitzbogenfenster hinter dem Altar bis zum Boden heruntergezogen wurden.
Otto Flath schuf außerdem zwei weitere Bildwerke für die Trinitatiskirche: die Plastik „Die Trauernde“ und den Taufstein.
Dort, wo sich heute die „Trauernde“ befindet, war ursprünglich ein Sandsteinrelief mit einem Stahlhelmkopf eines Soldaten angebracht. Das Relief trug die Inschrift „Den Toten Helden 1914–1918“.
Die „Trauernde“ nimmt das durch Krieg und Tod verursachte Leid und die Trauer auf. Die Figur hüllt schützend ihren Mantel um eine angedeutete Gestalt. Ihre Haltung erinnert an eine demütig betende Person.
Die Plastik macht zugleich deutlich, dass Leid und Trauer nicht das letzte Wort behalten: Der Mensch kann sich mit dem, was ihn bewegt, im Gebet Gott zuwenden.
Das dritte Kunstwerk von Otto Flath ist der Taufstein. An seinem oberen Rand steht das Jesuswort: „Lasset die Kindlein zu mir kommen.“ Die dargestellten Engelsgestalten verweisen auf die biblische Zusage aus Psalm 91: „Denn er hat seinen Engeln befohlen, dass sie dich behüten auf allen deinen Wegen.“
Kirchenfenster "Die Hochzeit"
Die Kirchenfenster
Zwischen 1962 und 1970 wurden neue Kirchenfenster eingebaut. Sie prägen den Innenraum der Trinitatiskirche bis heute.
Die großen Fenster auf der linken und rechten Emporenseite wurden von Alexander Bader und Peter Berndt geschaffen. Die Rosette im Altarbereich entwarf der Berliner Künstler Hermann Kirchberger, der an der Preußischen Akademie der Künste Meisterschüler von Ernst Pfannschmidt war.
Nach dem Zweiten Weltkrieg war Kirchberger zunächst Professor an der Hochschule für Baukunst und Bildende Künste in Weimar. Dort wurde er wegen des Formalismusverdachts seiner Arbeiten entlassen. 1951 kehrte er nach Berlin zurück. Neben den Fenstern für die Trinitatiskirche schuf er unter anderem Fenster für die St.-Annen-Kirche in Dahlem und für das St.-Joseph-Krankenhaus in Tempelhof.
Das zweite große Bildprogramm der Kirche besteht aus zwanzig Fenstern unterhalb der Emporen und stammt von Fritz Ebeling, der aus Bitterfeld stammte.
Ebeling sah Anfang der 1950er Jahre als Künstler in der damaligen DDR keine Zukunft mehr, weil seine Formensprache nicht den Vorstellungen der SED-Kunstpolitik entsprach. Mit den zwanzig Bildern schuf Fritz Ebeling einen zusammenhängenden Zyklus zum Thema der heilen und unheilen Welt. Damit greift er einen zentralen Gedanken der biblischen Botschaft des Alten und Neuen Testaments auf. Die Bilder geben Anregungen, über das menschliche Handeln und die Verantwortung in dieser Welt nachzudenken.
Fritz Ebeling starb am 7. Juli 2011 in Berlin.
Die Orgel
Orgelpfeifen
Orgelpfeifen ausgebaut
Die Orgel
Die Orgel der Trinitatiskirche wurde 1961 von der Ludwigsburger Orgelbaufirma Walcker als Opus Nr. 4097 mit 39 Registern auf drei Manualen und Pedal hergestellt und 1962 in der Trinitatiskirche eingebaut. Die Einweihung fand am 13. Mai 1962 statt. Das Werk besitzt einen offenen Orgelprospekt mit sichtbaren konstruktiven Elementen.
Der Vorgängerbau der Orgelbaufirma Sauer aus Frankfurt/Oder wurde im Zweiten Weltkrieg leicht beschädigt, aber nach dem Krieg durch Plünderungen verwüstet, sodass eine Restaurierung unmöglich schien. Im Jahr 2016 (von Januar bis Mai) wurde die Walcker-Orgel grundlegend von der Potsdamer Orgelbaufirma Schuke restauriert und im Blick auf die musikalische Praxis in der Gemeinde durch den Einbau einer Setzeranlage mit entsprechender Registerschaltung im Spieltisch und den Einbau eines vierten Manuals mit einer MIDI-Expander-Beschallungsanlage erheblich erweitert, sodass zusätzlche, andere als die orgeltypischen Klänge zur Verfügung stehen.
Die Orgel wurde mit einem festlichen Konzert am 5. Juni 2016 wieder in Dienst gestellt.
Disposition der Walcker-Orgel
I. Manual Kronpositiv (KP) C-g‘‘‘
22. Holzgedackt 8’
23. Nachthornprinzipal 4’
24. Rohrpfeife 2’
25. Quintflöte 1 1/3’
26. Oktave 1’
27. Zimbel 3 f.
28. Krummhorn 8’
Tremulant
II. Manual Hauptwerk (HW) C-g‘‘‘
13. Gedacktpommer 16’
14. Prinzipal 8’
15. Koppelflöte 8’
16. Oktave 4’
17. Rohrflöte 4’
18. Quinte 2 2/3’
19. Prinzipal 2’
20. Mixtur 5-6 f.
21. Trompete 8’
III. Manua l Schwellwerk (SW) C-g‘‘‘
1. Spitzgambe 8’
2. Rohrgedackt 8’
3. Prinzipal 4’
4. Trichtergedackt 4’
5. Kleinoktave 2’
6. Nasard 2 2/3’
7. Terz 1 3/5’
8. Sifflöte 1’
9. Scharff 4-5 f.
10. Rankett 16’
11. Schalmey 8’
12. Trompete 4’
Tremulant
Pedal (Ped) C-f’
29. Prinzipal 16’
30. Subbass 16’
31. Prinzipal 8’
32. Gemshorn 8’
33. Rohrquinte 5 1/3’
34. Blockflöte 4’
35. Spitzflöte 2’
36. Mixtur I 3 f.
37. Mixtur II 2 f.
38. Posaune 16’
39. Trompete 8
IV. Manual MIDI-Klaviatur
6 Normalkoppeln:
SW-HW, KP-HW, SW-KP, SW-Ped, HW-Ped, KP-Ped, Setzer mit 10.000 Speicherplätzen
Erläuterungen zur Disposition der Orgel von Michael Schütz
Für diejenigen, denen die vorgenannten Angabe noch fremd sind, möchte ich einige grundlegende Erläuterungen geben:
Die aufgeführten Register sind bautechnisch und in der Größe unterschiedliche Pfeifentypen, die verschiedene Klangfarben hervorbringen. Ein Register hat so viele Pfeifen, wie das betreffende Manual Tasten; insgesamt hat unsere Orgel damit 2.604 Metall- und Holzpfeifen. Durch alle möglichen Kombinationen der 47 Register (Pfeifen, Koppeln und Tremulanten) lassen sich über 140 Billionen (exakt 140.737.488.355.328) Klangfarben erzeugen – erstaunlich, nicht wahr?
Metallpfeifen klingen heller und härter, Holzpfeifen dunkler und weicher. Lippenpfeifen (Labialpfeifen) erzeugen den Ton wie eine Blockflöte: Der Luftstrom wird an einer scharfen Kante geteilt, die Verwirbelungen innerhalb der Pfeife bringen ihre Luftsäule zum Schwingen, es entsteht ein flötenartiger Klang. Bei Zungenpfeifen (Lingualpfeifen) trifft der Luftstrom auf ein kleines, federndes Metallplättchen, das zum Schwingen gebracht wird, ähnlich wie z. B. bei einer Klarinette (einfaches Rohrblatt). Ihr Klang ist eher näselnd und schnarrend.
Die Angabe neben dem Namen des Registers ist die Fußzahl, also die Größe der Pfeife (in Fuß gemessen); sie steht für die Oktavlage des Klangs. Je kleiner die Pfeife, desto höher der Klang. 8’ (sprich: „Acht Fuß“) ist die normale Oktavlage, wie sie auch in den Noten steht, 4’ klingt eine Oktave höher, 2’ zwei Oktaven höher usw., 16’ ist eine Oktave tiefer.
Die Angabe „3 f.“ (= dreifach), z. B. bei der Mixtur, bedeutet, dass auf einer Taste drei verschiedene Pfeifen gleichzeitig erklingen. Dieses Register ist für den typischen Glanz einer Kirchenorgel verantwortlich.
Ein Tremulant ist eine zuschaltbare elektrische Einrichtung, die den Luftstrom in die Pfeifen des gespielten Manuals periodisch wechselweise anhebt und absenkt. Es entsteht ein schwingender Vibrato-Effekt des Tons, wie er z. B. von Blasinstrumenten her bekannt ist. Eine Melodiestimme kann dadurch natürlicher klingen.
Die Register im Schwellwerk stehen, räumlich abgetrennt, hinter einer Holzwand, deren Lamellen über ein Fußpedal (ähnlich wie das Gaspedal im Auto) geschlossen werden können. Dadurch klingen alle diese Pfeifen leiser und indirekter. Der „Schweller“ kann auch während des Spielens eingesetzt werden, wodurch ein echtes Decrescendo bzw. Crescendo erreicht wird. Und es gibt noch sogenannte Koppeln, die das Spielen aller Register eines Manuals mit einem anderen Manual oder / und dem Pedal ermöglichen. Bei einem einzigen vollgriffigen Tutti, wie beim letzten Akkord auf der CD, klingen etwa 500 Pfeifen!
Die Walcker-Orgel wurde von der Firma Schuke saniert. Über einen längeren Zeitraum wurden alle Pfeifen ausgebaut und gereinigt, die Elektrik ersetzt, alte Bauteile erneuert und vieles mehr. Neu ist auch die sogenannte Setzerautomatik: Es können Registrierungen vorprogrammiert werden, die dann während des Spielens auf Knopfdruck abgerufen werden. So lässt sich die Registrierung der gesamten Orgel innerhalb des Bruchteils einer Sekunde komplett ändern.
Bei einer Orgelsanierung ist nicht nur handwerkliche Präzision der Orgelbauer gefragt, sondern auch die nötige Erfahrung, um sich einer Orgel so anzunehmen, dass ihr individueller Charakter erhalten und gefördert wird. Das Warten hat sich gelohnt: Im Konzert anlässlich ihrer Wiederindienstnahme am 5. Juni 2016 erstrahlte die Orgel in ihrem alten Glanz. Doch halt, nicht nur im alten Glanz! Das Besondere ist das neu eingebaute vierte Manual. Es ist eine Klaviertastatur, die über MIDI einen Klangcomputer ansteuert und damit die Klangfarbenpalette der Orgel deutlich erweitert. Falls Sie MIDI (= Musical Instrument Digital Interface) nicht kennen: Vom Spieler werden live über die Tastatur alle Spiel-Informationen an den Computer weitergeleitet, also wann welche Taste wie stark angeschlagen und wie lange gehalten wird. Über diese Steuerungsdaten wird der voreingestellte Klang vom Computer entsprechend abgerufen. Die Computerklänge werden dann über eine Lautsprecheranlage, die direkt ins Orgelgehäuse eingebaut wurde, parallel zu den Pfeifenklängen live gespielt.
Wir sind gespannt, ob Sie, liebe Hörerinnen und Hörer, herausbekommen, welche Klänge der CD auf dem vierten Manual gespielt wurden... Die Raumakustik in der Trinitatiskirche ist wie geschaffen für unsere Walcker-Orgel. Insbesondere der Nachhall ist dafür verantwortlich, dass sich beides, Raum und Musik, zu einem Klangerlebnis ersten Ranges verbindet. Sowohl im Gottesdienst als auch im Konzert, sowohl live als auch hier auf CD, sowohl Bach als auch Pop: Es scheint, als könnten uns die vielfältigen Farben und Stimmungen, die Schattierungen und Nuancen, das kraftvolle Tutti und die fast zärtlichverspielten, sich ins Ohr schmiegenden Klänge wirklich in eine andere Welt entführen. Aber was soll ich hier noch weiter in Worten schwärmen ... Hören Sie sich einfach unsere CD an und genießen Sie die musikalische Visitenkarte der Trinitatiskirche Charlottenburg!
Glocken der Trinitatiskirche
Die Glocken
Auch das Geläut gehört zur Geschichte der Trinitatiskirche. Die drei heutigen Glocken wurden 1924 als Gussstahlglocken gegossen.
Sie tragen die Inschriften:
„Ehre sei Gott in der Höhe“
„Kommet her zu mir, alle die ihr mühselig und beladen seid“
„Wachet, stehet im Glauben, seid männlich und stark“
Die drei Glocken begleiten bis heute das Leben der Gemeinde und rufen zu Gottesdiensten und Gebet.
Läuteordnung
Mit Beschluss vom 11.3.2023 hat der Gemeindekirchenrat der Trinitatis-Kirchengemeinde die folgende Läuteordnung festgelegt. Bis auf leichte Überarbeitungen und Präzisierungen entspricht sie der zuvor geltenden Fassung.
Mit dem Läuten zur Sterbestunde am Karfreitag 2023 und dem Einläuten des Osterfestes in der Osternacht werden die Glocken der Trinitatiskirche nach der eineinhalbjährigen Pause aufgrund des notwendigen Austausches der Glockenjoche wieder in Benutzung genommen.
Die Ordnung des kirchlichen Lebens der Evangelischen Kirche in der Union (1999) stellt in den Leitlinien zum Gottesdienst der Kirchengemeinden in Artikel 9 fest: „Die Glocken rufen die Gemeinden zum Gottesdienst und laden zum Gebet ein. Das Glockengeläut wird durch eine Läuteordnung geregelt.“
Die Kirchenglocken werden gemäß der folgenden Läuteordnung der Gemeinde, und entsprechend dem kirchlichen Herkommen geläutet. Unsere Glocken läuten zur Ehre Gottes und nicht nach Willkür der Menschen.
Der Gemeindekirchenrat der Evangelischen Trinitatis-Kirchengemeinde, im März 2023
Wochentagsgeläut
jeden Tag um 8:00 / 12:00 / 18:00 Uhr, sonntags nur 18 Uhr
Vaterunser-Glocke für 3 Minuten
Samstag um 18:00 Uhr als Einläuten des Sonntags
alle drei Glocken für 3 Minuten
Sonn- und Feiertagsgeläut
a) vor und nach jedem Gottesdienst
alle drei Glocken für 3 Minuten
b) beim Vaterunser im Gottesdienst
Vaterunser-Glocke
c) Kindergottesdienst in der Kirche
Kindergottesdienst-Glocke für 5 Minuten
Kasualienläuten (grundsätzlich zu allen Amtshandlungen in der Kirche)
a) bei Taufen
Kindergottesdienst-Glocke für 5 Minuten
b) bei Trauungen
alle drei Glocken für 5 Minuten
vor angesetzter Zeit nach der Trauung
alle drei Glocken für 3 Minuten
c) bei Trauerfeiern
Totenglocke für 10 Minuten
d) bei Haustaufen, Haustrauungen, Silbernen und Goldenen Hochzeiten wird auf besonderen Wunsch geläutet
alle drei Glocken für 3 Minuten
Sondergeläut
Ostern:
a) alle Gottesdienste bis 15 Uhr
und zur Sterbestunde um 15 Uhr
Totenglocke für 10 Minuten
b) Karsamstag (Stiller Samstag)
kein Läuten
c) Osternacht, Osterläuten nach dem Gottesdienst
alle drei Glocken, 10 Minuten
Weihnachten
Christvespern und Christmette - ein- und ausläuten
alle drei Glocken, 10 Minuten
Silvester
Mitternacht - überläuten ins neue Jahr
alle drei Glocken, 10 Minuten